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Wir brauchen Bass, Bass!

  • zausen
  • vor 4 Tagen
  • 1 Min. Lesezeit

Was singt der Bass? Tief, tiefer, am tiefsten. - Mehr als diese drei Aggregatszustände kennt er nicht. Mehr als vier verschiedene Töne pro Stück meistens auch nicht.


Fehlt der Bass, fehlt die Seele des Ensembles: Tektonisch sicher steht er als unantastbares Fundament unter den melodischen Wirren und Mühen der anderen Stimmen. Er gibt Halt, Tiefe und Orientierung. Setzt der Bass ein, dann merkt man erst, was gefehlt hat. Während andere Stimmen gehört werden wollen, sagt der Bass „Spür mich!“ und bringt in der Subkontraoktave den Boden zum Beben. Er erdet und erzeugt wohligen Tiefgang.


Einen Bass bringt nichts aus der Ruhe. Er erkennt Lautstärkebezeichnungen grundsätzlich nur ab forte aufwärts an. Alles andere sind Druckfehler. Er schert sich ebenso wenig um die Melodie wie um ein gutes Einsingen, musikalische Interpretation oder den Alkoholkonsum am Abend vor dem Konzert, denn das ist - ebenso wie das Üben - wider der Natur des Basses. Feinheiten wie diese überlässt er gerne den anderen, unwichtigen, Stimmen. Ein Bass ist Bass. Und. Das. Ist. Genug!


Panik und unwohles Stuhlrutschen entsteht beim Bass erst ab der ersten Hilfslinie nach oben. (Früher war alles tiefer!) Oder bei mehr als vier Noten im Takt, meist auf neumodischen Unworten wie „dum“ oder „bom“ (Früher war mehr Text!). Soll dann dazu noch geklatscht werden, erfolgt eine stille, aber folgenschwere, Revolution: Tiefschwingend, unerbittlich, brachial. Streikt der Bass, steht die Welt still.



Nach der letzten Note applaudiert der Saal und der Bass lächelt wissend: Am Ende wäre das ohne ihn alles nur heisse Luft gewesen.

 
 
 

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